Kennzahlen

Was ist der Einstandskurs — dein durchschnittlicher Kaufpreis?

Der Einstandskurs ist der Preis, den du im Durchschnitt pro Aktie bezahlt hast, inklusive Ordergebühren. Kaufst du 10 Aktien zu 100 € und später 10 zu 150 €, liegt dein Einstandskurs bei 125 € plus Gebühren. Die meisten Depots zeigen dir Gewinn und Verlust gemessen an dieser Zahl. Das Finanzamt rechnet in Deutschland aber anders: Beim Verkauf gilt das FIFO-Prinzip — first in, first out. Die zuerst gekauften Aktien gelten als zuerst verkauft.

Ein Rechenbeispiel

Beim Einstandskurs spielt es keine Rolle, welche Aktien du »gefühlt« zuerst gekauft hast. Er ist immer der Durchschnitt über alles, was noch im Depot liegt.

Verkauf — und warum das Finanzamt anders rechnet

Du verkaufst 5 Aktien zu 160 € (800 € minus 4 € Gebühr = 796 €). Gemessen am Einstandskurs sieht das nach 796 − 5 × 125,40 = 169 € Gewinn aus. Steuerlich zählen in Deutschland aber die zuerst gekauften Aktien: 5 × 100,40 € = 502 €. Der steuerpflichtige Gewinn ist also 796 − 502 = 294 €.

Das ist kein Fehler deiner Bank, sondern das Gesetz. Die Bank rechnet die Abgeltungsteuer automatisch nach FIFO ab — du musst nichts tun. Dafür fällt der Gewinn bei den später verkauften, teureren Aktien kleiner aus; am Ende gleicht es sich aus. FIFO gilt je Depot: Liegt dieselbe Aktie in zwei Depots, rechnet jedes für sich. Andere Länder haben andere Regeln.

Warum sich der Einstandskurs ändert

Jedes Mal, wenn du nachkaufst, wandert der Durchschnitt in Richtung des neuen Preises. Kaufst du unter deinem Einstandskurs, sinkt er — das nennt man »verbilligen«. Kaufst du darüber, steigt er. Beim Verkauf ändert sich der Einstandskurs dagegen nicht: Die restlichen Aktien behalten ihren Durchschnitt. Auch Dividenden ändern ihn nicht. Mit einem Sparplan ändert er sich jeden Monat ein kleines Stück.

Kiggo sagt: Der Einstandskurs ist dein privater Preis. Der Markt kennt ihn nicht. Nur du rechnest damit — und das Finanzamt rechnet sogar noch anders.

Der typische Anfängerfehler

Eine fallende Aktie nachkaufen, »um den Einstandskurs zu verbilligen« — und am Ende eine größere Position in einem Unternehmen haben, das weiter fällt. Der Einstandskurs ist eine Buchhaltungszahl. Er sagt nichts darüber, ob es sich lohnt, mehr von dem Unternehmen zu besitzen. Stell dir diese Frage, nicht die nach dem Durchschnitt.

So siehst du es in Kiggo

Trägst du deine eigenen Käufe mit Kaufpreis in Kiggos Portfolio ein, zeigt es Gewinn und Verlust je Aktie — gemessen an dem, was du bezahlt hast.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Was heißt »verbilligen«?

Eine Aktie nachkaufen, deren Kurs unter deinem Einstandskurs liegt, damit der Durchschnitt sinkt. Rechnerisch funktioniert das — ob das Unternehmen mehr von deinem Geld wert ist, ist eine ganz andere Frage.

Zählen die Gebühren zum Einstandskurs?

Ja. Die Ordergebühr wird auf den Kaufpreis aufgeschlagen, dein Einstandskurs liegt also etwas über dem Aktienkurs — und dein steuerpflichtiger Gewinn fällt etwas kleiner aus. Das macht deine Bank automatisch.

Was passiert mit dem Einstandskurs bei einem Aktiensplit?

Bekommst du für jede Aktie zwei, halbiert sich dein Einstandskurs, weil du jetzt doppelt so viele Aktien für dasselbe Geld hast. Der Wert deiner Position bleibt gleich.

Kiggo erklärt — Kiggo berät nicht. Wir sagen dir nie, was du kaufen oder verkaufen sollst. Die Entscheidung ist deine. Zuletzt aktualisiert 2026-09-23.

Geschrieben von Claus Frisch, Gründer von Kiggo. Kein Berater, keine Bank — Kiggo erklärt, du entscheidest.

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