Was ist ein Leerverkauf?
Ein Leerverkauf — auch Shorten genannt — heißt, an einem fallenden Kurs zu verdienen. Du leihst dir die Aktie von einem anderen Anleger, verkaufst sie zum heutigen Kurs und hoffst, sie später billiger zurückzukaufen, damit du sie zurückgeben und die Differenz behalten kannst. Steigt die Aktie stattdessen, musst du teurer zurückkaufen — und weil eine Aktie ohne Grenze steigen kann, ist dein möglicher Verlust unbegrenzt. Das ist das Gegenteil davon, eine Aktie zu besitzen: Da kannst du höchstens verlieren, was du bezahlt hast.
Du verkaufst etwas Geliehenes und kaufst es billiger zurück. Steigt es stattdessen, hat der Verlust keinen Boden.
Ein Rechenbeispiel
Du glaubst, dass eine Aktie bei 100 € fallen wird.
- Du leihst dir 10 Aktien und verkaufst sie: +1.000 € auf dem Konto.
- Die Aktie fällt auf 80 €. Du kaufst 10 zurück: −800 €.
- Du gibst die 10 Aktien dem Verleiher zurück. Übrig: 200 € Gewinn — abzüglich Leihgebühr und Ordergebühren.
Wenn es schiefgeht: Die Aktie steigt auf 150 €. Jetzt kostet es 1.500 €, die 10 zurückzukaufen. Du hast 500 € verloren — 50 % dessen, wofür du verkauft hast. Steigt sie auf 300 €, verlierst du 2.000 € — doppelt so viel, wie du je eingenommen hast. Einen Boden gibt es nicht.
Warum es anders ist als Besitzen
| Besitzen (long) | Leerverkauf (short) | |
|---|---|---|
| Du verdienst, wenn | der Kurs steigt | der Kurs fällt |
| Größtmöglicher Gewinn | unbegrenzt | 100 % (die Aktie fällt auf null) |
| Größtmöglicher Verlust | was du bezahlt hast | unbegrenzt |
| Die Zeit arbeitet | für dich (der Markt steigt meistens) | gegen dich (Leihgebühr, Dividenden, die du zahlen musst) |
Shortest du eine Aktie, die eine Dividende zahlt, musst du die Dividende an den Verleiher zahlen. Und der Verleiher kann die Aktie zurückfordern, wann es ihm passt — oft genau dann, wenn sie am stärksten steigt.
Was es für dich bedeutet
Als normaler Anleger shortest du selten selbst — echte Leerverkäufe bieten die meisten Banken und Broker Privatkunden gar nicht an. Das Wort begegnet dir aber in den Nachrichten. Netto-Leerverkaufspositionen ab 0,5 % der Aktien eines Unternehmens werden in der EU veröffentlicht, in Deutschland im Bundesanzeiger. Sie zeigen, dass Profis auf einen Rückgang setzen. Das ist eine Information, kein Urteil. Das bekannteste deutsche Beispiel: Bei Wirecard lagen die Leerverkäufer richtig — die BaFin hatte 2019 sogar neue Leerverkäufe der Aktie vorübergehend verboten, gut ein Jahr bevor der Betrug aufflog.
Ein Short Squeeze ist, wenn die Leerverkäufer gleichzeitig zurückkaufen müssen und der Kurs dadurch nach oben explodiert. So wurde Volkswagen im Oktober 2008 für kurze Zeit zum wertvollsten Unternehmen der Welt, und so erging es GameStop 2021.
Der typische Anfängerfehler
Zu glauben, Shorten sei einfach »das Gegenteil von Kaufen« und deshalb genauso sicher. Ist es nicht: Der Gewinn ist gedeckelt, der Verlust nicht, und der Markt steigt öfter, als er fällt. Selbst Profis verlieren damit oft Geld.
So siehst du es in Kiggo
Kiggo handelt nicht und bietet keine Leerverkäufe an. Kiggo zeigt Kurs und Trend der Aktie, damit du verstehst, worum es in einer Nachricht über »Leerverkäufer« geht. Das Glossar erklärt das Wort; es empfiehlt es nicht.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Kann ich als Privatanleger shorten?
Bei manchen Brokern ja, meist über Hebelprodukte wie Put-Optionsscheine, Short-Knock-outs oder CFDs statt über eine echte Wertpapierleihe. Viele Banken bieten es nicht an. Es verlangt einiges an Erfahrung und ist nicht für Anfänger gebaut.
Was ist ein Short Squeeze?
Wenn eine stark geshortete Aktie plötzlich steigt und die Leerverkäufer zurückkaufen müssen, um ihre Verluste zu begrenzen — wodurch sie noch weiter steigt. Volkswagen 2008 und GameStop im Januar 2021 sind die bekanntesten Beispiele.
Sind Leerverkäufe schlecht für den Markt?
Darüber wird gestritten. Leerverkäufer decken manchmal Betrug und überbewertete Unternehmen auf, weil sie daran verdienen, recht zu haben. Andererseits können sie eine Aktie nach unten drücken. In der EU sind »ungedeckte« Leerverkäufe — Aktien zu verkaufen, die man sich nicht geliehen hat — verboten.
Kiggo erklärt — Kiggo berät nicht. Wir sagen dir nie, was du kaufen oder verkaufen sollst. Die Entscheidung ist deine. Zuletzt aktualisiert 2026-09-23.
Geschrieben von Claus Frisch, Gründer von Kiggo. Kein Berater, keine Bank — Kiggo erklärt, du entscheidest.