Was ist der Nettoinventarwert (NAV)?
Der Nettoinventarwert ist das, was etwas »von innen« wert ist — unabhängig vom Kurs. Bei einem Fonds ist er das Fondsvermögen geteilt durch die Zahl der Anteile: Besitzt der Fonds Aktien für 100 Millionen € und hat 1 Million Anteile ausgegeben, liegt der NAV bei 100 €. In Deutschland heißt er auch Anteilwert oder Inventarwert. Bei einem Unternehmen ist das Gegenstück der Buchwert je Aktie — was für die Aktionäre übrig bliebe, wenn alles verkauft und die Schulden bezahlt wären. Der Kurs kann darüber oder darunter liegen.
Bei Fonds: Der Kurs sollte nah dran sein
Ein ETF oder Investmentfonds besitzt einfach einen Korb von Aktien. Der Wert dieses Korbs pro Anteil ist der NAV, meist einmal täglich berechnet. Wird der ETF zu 101 € gehandelt, während der NAV bei 100 € liegt, zahlst du 1 % zu viel — einen Aufschlag. Wird er zu 99 € gehandelt, bekommst du 1 % Abschlag. Bei großen ETFs liegt der Unterschied normalerweise unter 0,1 %, weil Profis jede Abweichung sofort ausnutzen. Während der Handelszeit veröffentlichen die Börsen dazu einen laufend berechneten Schätzwert, den iNAV. Klassische Fonds werden oft direkt zum NAV gekauft, plus eventuellem Ausgabeaufschlag.
Bei Unternehmen: Hier erzählt der Kurs eine andere Geschichte
Ein Unternehmen mit 10 Milliarden € Eigenkapital und 100 Millionen Aktien hat einen Buchwert von 100 € je Aktie. Steht die Aktie bei 300 €, zahlt der Markt das Dreifache des Buchwerts — weil er erwartet, dass das Unternehmen mit seinem Besitz Geld verdient. Steht sie bei 70 €, glaubt der Markt, dass die Werte in der Bilanz zu hoch sind oder das Unternehmen Geld verlieren wird. Das Verhältnis von Kurs zu Buchwert ist das KBV.
Am meisten sagt der Buchwert bei Banken, Immobiliengesellschaften und Reedereien, deren Besitz sich in Geld zählen lässt. Bei einem Softwareunternehmen, dessen Wert aus Ideen und Kunden besteht, sagt er fast nichts.
Ein Rechenbeispiel
Eine börsennotierte Immobiliengesellschaft besitzt Gebäude für 500 Millionen € und hat 50 Millionen € Schulden. Das Eigenkapital beträgt 450 Millionen €. Es gibt 5 Millionen Aktien. NAV = 450 / 5 = 90 €. Wird die Aktie zu 72 € gehandelt, kaufst du die Gebäude mit 20 % Abschlag — sofern die Bewertung in der Bilanz stimmt. Dieses »sofern« ist die ganze Frage.
Der typische Anfängerfehler
Eine Aktie unter Buchwert kaufen und davon ausgehen, dass sie dorthin steigen »muss«. Vielleicht hat der Markt recht, und der Besitz ist weniger wert, als die Bilanz sagt. Billig im Verhältnis zum Buchwert ist eine Frage — keine Antwort.
So siehst du es in Kiggo
Kiggo nutzt das KBV — den Kurs im Verhältnis zum Buchwert — in der langfristigen Einschätzung und vergleicht dabei nur innerhalb derselben Branche. Eine Bank mit einem Softwareunternehmen zu vergleichen, ergäbe keinen Sinn, weil der Buchwert bei beiden etwas völlig anderes bedeutet. Bei Fonds zeigt Kiggo den Kurs; den NAV findest du auf der Seite des Anbieters.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Wo finde ich den NAV eines Fonds?
Im Factsheet des Fonds und auf der Website des Anbieters. Er wird meist täglich aktualisiert. Für ETFs zeigen viele Börsenseiten während des Handels zusätzlich den iNAV.
Warum wird ein ETF nicht genau zum NAV gehandelt?
Weil er den ganzen Tag an der Börse zwischen Käufern und Verkäufern gehandelt wird, während der NAV einmal berechnet wird. Große Banken, die sogenannten Market Maker, halten den Abstand klein — bei großen Fonds ist er fast null.
Ist eine Aktie unter Buchwert billig?
Vielleicht. Es kann heißen, dass der Markt Werte übersieht — oder dass die Bilanz zu optimistisch ist. Schau, ob das Unternehmen Geld verdient, bevor du einen Schluss ziehst.
Kiggo erklärt — Kiggo berät nicht. Wir sagen dir nie, was du kaufen oder verkaufen sollst. Die Entscheidung ist deine. Zuletzt aktualisiert 2026-09-23.
Geschrieben von Claus Frisch, Gründer von Kiggo. Kein Berater, keine Bank — Kiggo erklärt, du entscheidest.