Grundlagen

Was ist der Zinseszins?

Zinseszins heißt, dass du Rendite auf die Rendite bekommst, die du schon verdient hast. Im ersten Jahr bringen 10.000 € bei 7 % genau 700 €. Im zweiten Jahr bringen die 10.700 € dann 749 € — weil die 700 € jetzt mitarbeiten. Das klingt nach wenig, aber der Effekt wächst Jahr für Jahr, und nach 30 Jahren sind aus deinen 10.000 € rund 76.000 € geworden. Darum zählt beim Investieren die Zeit mehr als der Betrag.

So sieht es über die Jahre aus

10.000 € bei 7 % im Jahr (ungefähr das, was breite Aktienmärkte historisch vor Inflation gebracht haben):

JahrBetragRendite in diesem Jahr
010.000 €—
10ca. 19.700 €ca. 1.300 €
20ca. 38.700 €ca. 2.500 €
30ca. 76.100 €ca. 5.000 €
40ca. 149.700 €ca. 9.800 €

Schau auf die letzten zehn Jahre: von 76.000 € auf 150.000 €. Das letzte Jahrzehnt bringt mehr als die ersten 30 Jahre zusammen. Die Kurve ist am Anfang flach und am Ende steil — genau das macht es so schwer, an sie zu glauben.

Die 72er-Regel

Eine schnelle Kopfrechnung: 72 geteilt durch die Rendite in Prozent = die Zahl der Jahre, bis sich das Geld verdoppelt. Bei 7 % sind das 72/7 ≈ 10 Jahre. Bei 3 % sind es 24 Jahre. Bei 1 % auf dem Tagesgeldkonto 72 Jahre. Die Regel zeigt auch, warum Kosten so viel ausmachen: 7 % minus 1,5 % Gebühren sind 5,5 %, und eine Verdopplung dauert dann 13 statt 10 Jahre.

Er wirkt auch gegen dich

Der Zinseszins ist genau das, was Schulden wachsen lässt. 2.000 € im Dispo zu 12 % sind nach sechs Jahren fast 4.000 €, wenn du nichts zurückzahlst — die 72er-Regel lässt grüßen. Darum beginnt fast jeder Rat zum Investieren mit: erst teure Schulden abbauen. Keine Aktie bringt verlässlich 12 % im Jahr.

Kiggo sagt: Der Zinseszins ist die einzige Kraft an der Börse, die an jedem einzelnen Tag auf deiner Seite steht — wenn du ihr genug Zeit gibst.

Der typische Anfängerfehler

Mit dem Anfangen warten, »bis ich mehr Geld habe«. 100 € im Monat ab 25 ergeben bei 7 % bis 65 rund 240.000 €. Fängst du mit 35 an, werden aus demselben Betrag etwa 113.000 €. Die zehn Jahre kosten mehr als die Hälfte — nicht, weil du weniger eingezahlt hast, sondern weil der Zinseszins weniger Zeit hatte.

So siehst du es in Kiggo

Kiggos Anleitung unter »Loslegen« zeigt, was aus einem festen Monatsbetrag in 10, 20 und 30 Jahren werden kann — als Rechnung, nicht als Versprechen. Mit dem Sparplan-Rechner kannst du es mit deinen eigenen Zahlen durchspielen. Die Rendite ist nie garantiert; sicher ist nur die Mathematik.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Gilt der Zinseszins auch bei Aktien?

Ja, auch wenn es dort keine »Zinsen« gibt. Steigen deine Aktien um 7 % und wird die Dividende wieder angelegt, wachsen im nächsten Jahr die ganzen 107 %. Der Effekt ist derselbe — er heißt nur Rendite auf Rendite. Bei einem thesaurierenden ETF passiert das Wiederanlegen automatisch.

Worauf beruhen die 7 %?

Auf dem, was breite Aktienindizes historisch im Durchschnitt pro Jahr über lange Zeiträume gebracht haben, vor Inflation. Es ist ein Durchschnitt aus guten und schlechten Jahren — kein Versprechen für das nächste.

Machen Kosten den Zinseszins kaputt?

Sie bremsen ihn. 1 % Gebühren im Jahr klingt nach wenig, aber es ist 1 % des ganzen Betrags, jedes Jahr — auch des Teils, der sonst weitergewachsen wäre. Über 30 Jahre kostet das typischerweise ein Viertel der Endsumme.

Kiggo erklärt — Kiggo berät nicht. Wir sagen dir nie, was du kaufen oder verkaufen sollst. Die Entscheidung ist deine. Zuletzt aktualisiert 2026-09-23.

Geschrieben von Claus Frisch, Gründer von Kiggo. Kein Berater, keine Bank — Kiggo erklärt, du entscheidest.

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