Was ist der Gewinn je Aktie (EPS)?
Der Gewinn je Aktie — englisch earnings per share, kurz EPS, im Geschäftsbericht oft »Ergebnis je Aktie« — ist der Gewinn des Unternehmens nach Steuern geteilt durch die Zahl der Aktien. Verdient ein Unternehmen 2 Milliarden € und hat 100 Millionen Aktien, liegt der Gewinn je Aktie bei 20 €. Jede Aktie hat in diesem Jahr 20 € »verdient«. Zusammen mit dem Kurs ergibt er das KGV: Kurs 300 € geteilt durch 20 € Gewinn je Aktie ist ein KGV von 15.
Warum je Aktie und nicht einfach der Gewinn
Der Gewinn ist eine Zahl für das ganze Unternehmen. Dir gehört aber nicht das ganze Unternehmen — dir gehören ein paar Aktien. Der Gewinn je Aktie sagt dir, wie viel vom Gewinn auf deinen Anteil entfällt. Erst damit lässt er sich mit dem Kurs vergleichen: Zahlst du 300 € für eine Aktie, die 20 € im Jahr verdient, zahlst du 15 Jahresgewinne. Ein Unternehmen kann seinen Gewinn um 10 % steigern und trotzdem einen sinkenden Gewinn je Aktie haben, wenn es 15 % mehr Aktien ausgegeben hat (Kapitalerhöhung). Deshalb schauen Aktionäre auf diese Zahl.
Das Wachstum ist, was zählt
Der Gewinn je Aktie eines Jahres sagt, was das Unternehmen verdient hat. Die Entwicklung über fünf Jahre sagt, wohin es geht:
- 10 € → 12 € → 14 € → 17 € → 20 €: Das Unternehmen wächst um etwa 19 % im Jahr. Das rechtfertigt ein hohes KGV.
- 20 € → 19 € → 21 € → 18 € → 20 €: Das Unternehmen tritt auf der Stelle. Dann sollte das KGV niedrig sein.
Den Zusammenhang zwischen Gewinnwachstum und KGV versucht das PEG zu erfassen.
Worauf du achten solltest
- Sondereffekte: Hat das Unternehmen letztes Jahr eine Fabrik verkauft, ist der Gewinn je Aktie künstlich hoch. Such nach dem »bereinigten« Ergebnis oder lies nach, woraus der Gewinn bestand.
- Negativer Gewinn je Aktie: Das Unternehmen macht Verlust. Ein KGV lässt sich nicht berechnen — und ein niedriger Kurs ist nicht automatisch billig.
- Aktienrückkäufe: Kauft das Unternehmen eigene Aktien zurück, sinkt ihre Zahl, und der Gewinn je Aktie steigt — ohne dass der Gewinn steigt. Das ist kein Betrug, aber auch kein Wachstum im Geschäft.
- Währung: Der Gewinn je Aktie steht in der Berichtswährung des Unternehmens. Bei einem US-Unternehmen ist er in Dollar.
Der typische Anfängerfehler
Den Gewinn je Aktie zwischen Unternehmen vergleichen — »A hat 50 €, B nur 5 €, also ist A besser«. Die Zahl hängt davon ab, in wie viele Stücke der Kuchen geschnitten ist. Vergleiche lieber das KGV oder das Gewinnwachstum. Der Gewinn je Aktie allein taugt nur für dasselbe Unternehmen über die Zeit.
So siehst du es in Kiggo
Unter »Kennzahlen anzeigen« nutzt Kiggo den Gewinn je Aktie für das KGV und erklärt in Worten, ob das Unternehmen Geld verdient und ob die Gewinne wachsen. Macht es Verlust, sagt Kiggo das deutlich. Kiggo vergleicht nur mit Unternehmen derselben Branche — bei einer Reederei sind schwankende Gewinne normal, bei einem Versorger nicht.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Was ist ein guter Gewinn je Aktie?
Eine solche Zahl gibt es nicht. Der Gewinn je Aktie hängt von der Zahl der Aktien ab. Gut ist ein Gewinn je Aktie, der Jahr für Jahr wächst — und ein Kurs, der ihm nicht zu weit davongelaufen ist, also ein vernünftiges KGV.
Was ist der Unterschied zwischen Gewinn je Aktie und Dividende je Aktie?
Der Gewinn je Aktie ist, was die Aktie verdient hat. Die Dividende ist der Teil, den das Unternehmen ausschütten will. Verdient eine Aktie 20 € und zahlt 8 € aus, bleiben 12 € im Unternehmen, um damit zu wachsen. Das Verhältnis — hier 40 % — heißt Ausschüttungsquote.
Was heißt »verwässertes Ergebnis je Aktie«?
Der Gewinn je Aktie, gerechnet so, als wären alle Aktienoptionen und Wandelanleihen schon zu Aktien geworden. Er ist etwas niedriger als das unverwässerte Ergebnis und die vorsichtigere Zahl. Meist wird er für das KGV verwendet.
Kiggo erklärt — Kiggo berät nicht. Wir sagen dir nie, was du kaufen oder verkaufen sollst. Die Entscheidung ist deine. Zuletzt aktualisiert 2026-09-23.
Geschrieben von Claus Frisch, Gründer von Kiggo. Kein Berater, keine Bank — Kiggo erklärt, du entscheidest.