Was ist eine Kapitalerhöhung?
Bei einer Kapitalerhöhung gibt ein Unternehmen neue Aktien aus und verkauft sie, um Geld einzusammeln — für Wachstum, einen Zukauf oder um Schulden abzubauen. Die allererste Ausgabe von Aktien an die Öffentlichkeit ist der Börsengang (IPO). Passiert es später, während du schon Aktionär bist, besitzt du danach einen etwas kleineren Teil des Unternehmens, weil es jetzt mehr Aktien gibt. Das heißt Verwässerung.
Ein Rechenbeispiel — Verwässerung
Ein Unternehmen hat 1.000 Aktien, und dir gehören 10 davon: 1 %. Das Unternehmen gibt 250 neue Aktien aus, um Geld einzusammeln. Jetzt gibt es 1.250 Aktien, und deine 10 sind nur noch 0,8 %. Dein Anteil am Gewinn und an der Dividende ist um ein Fünftel geschrumpft — ohne dass du etwas getan hast.
Ob das schlecht ist, hängt davon ab, was mit dem Geld passiert. Klug eingesetzt, kann das Unternehmen so viel größer werden, dass 0,8 % vom neuen Unternehmen mehr wert sind als 1 % vom alten. Wird damit nur ein Loch gestopft, ist es schlicht ein Verlust.
Die drei Arten
- Börsengang (IPO): Das Unternehmen verkauft zum ersten Mal Aktien an die Öffentlichkeit. Viel beachtet, oft teuer — den Preis legt der Verkäufer fest.
- Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht: Die bisherigen Aktionäre dürfen die neuen Aktien zuerst kaufen, meist mit Abschlag und im Verhältnis zu ihrem Bestand. Du kannst mitziehen — oder deine Bezugsrechte an der Börse verkaufen. Gibst du deiner Bank keine Weisung, verkauft sie deutsche Bezugsrechte in der Regel am Ende der Frist »bestens« für dich, also zu dem Preis, der dann gerade zu bekommen ist.
- Kapitalerhöhung ohne Bezugsrecht: Die neuen Aktien gehen an ausgewählte Großinvestoren (Privatplatzierung). Schnell für das Unternehmen; Kleinaktionäre werden verwässert, ohne gefragt zu werden.
Das Gegenteil: Aktienrückkauf
Hat ein Unternehmen zu viel Geld, kann es den umgekehrten Weg gehen: eigene Aktien zurückkaufen und einziehen. Dann gibt es weniger Aktien, und dein Stück wird größer. Viele große Unternehmen machen das jedes Jahr. Kapitalerhöhung und Rückkauf sind die beiden Regler, mit denen ein Unternehmen bestimmt, in wie viele Stücke der Kuchen geschnitten wird.
Der typische Anfängerfehler
Den Brief der Bank zur Kapitalerhöhung ignorieren, weil er kompliziert aussieht. Dann werden deine Bezugsrechte am Ende irgendwie verkauft — oder, bei manchen ausländischen Aktien, verfallen sie sogar wertlos. Lies ihn, und gib deiner Bank eine klare Weisung: mitziehen oder Rechte verkaufen.
So siehst du es in Kiggo
Kiggo zeigt die Zahl der Aktien hinter der Marktkapitalisierung und vermerkt bei den Kennzahlen, ob sie je Aktie gelten. Kiggo handelt nicht und nimmt nicht an Kapitalerhöhungen teil — das läuft über deine Bank, die sich meldet, wenn du Bezugsrechte bekommst. Kiggo erklärt die Wörter, damit du den Brief verstehst.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Ist eine Kapitalerhöhung eine schlechte Nachricht?
Nicht unbedingt. Ein Unternehmen, das Geld zum Wachsen einsammelt, kann dadurch mehr wert werden. Ein Unternehmen, das Geld einsammelt, weil es knapp wird, ist etwas anderes. Lies, wofür das Geld gedacht ist — das steht in der Mitteilung des Unternehmens.
Soll ich bei einer Kapitalerhöhung mitziehen?
Das entscheidest du. Ziehst du mit, behältst du deinen Anteil. Tust du es nicht, solltest du die Bezugsrechte verkaufen, damit du etwas für sie bekommst. Kiggo empfiehlt weder das eine noch das andere.
Was ist ein IPO?
Initial Public Offering — der Börsengang, bei dem ein Unternehmen zum ersten Mal Aktien an die Öffentlichkeit verkauft. Der Preis wird vorher festgelegt, und in den ersten Tagen schwankt der Kurs oft stark.
Kiggo erklärt — Kiggo berät nicht. Wir sagen dir nie, was du kaufen oder verkaufen sollst. Die Entscheidung ist deine. Zuletzt aktualisiert 2026-09-23.
Geschrieben von Claus Frisch, Gründer von Kiggo. Kein Berater, keine Bank — Kiggo erklärt, du entscheidest.