Was ist eine Anleihe?
Eine Anleihe ist ein Kredit. Du leihst einem Staat, einer Bank oder einem Unternehmen Geld und bekommst dafür jedes Jahr einen festen Zins (den Kupon) und an einem vereinbarten Tag den ganzen Betrag zurück. Dir gehört kein Stück des Herausgebers — du bist Gläubiger, nicht Miteigentümer. Deshalb schwanken Anleihen meist weniger als Aktien, bringen auf lange Sicht aber auch weniger.
Eine Anleihe ist ein Kredit: fester Zins jedes Jahr, und am Ende der ganze Betrag zurück.
Ein Rechenbeispiel
Du kaufst eine Anleihe zum Kurs 100 für 10.000 €. Sie läuft 5 Jahre und hat einen Kupon von 3 %.
- Jedes Jahr bekommst du 300 € Zinsen.
- Nach 5 Jahren bekommst du deine 10.000 € zurück.
- Zusammen 1.500 € Zinsen in fünf Jahren — egal, was die Börse in der Zeit gemacht hat.
Verkaufst du vor dem Ende, bekommst du den Kurs, den der Markt an diesem Tag bietet. Der kann über oder unter 100 liegen.
Warum der Kurs sich bewegt, wenn die Zinsen sich bewegen
Deine Anleihe zahlt 3 %. Steigen die Zinsen allgemein auf 5 %, zahlt niemand mehr 100 für deine 3-%-Anleihe — für eine neue bekommt man ja 5 %. Also fällt ihr Kurs, bis sie sich unterm Strich wie 5 % rechnet. Fallen die Zinsen stattdessen, steigt der Kurs deiner Anleihe. Zinsen rauf = Kurs runter, und umgekehrt. Je länger die Anleihe noch läuft, desto größer der Ausschlag.
Behältst du die Anleihe bis zum Ende, spielen die Kursschwankungen keine Rolle: Du bekommst trotzdem 300 € im Jahr und am Schluss 10.000 €.
Die drei Arten, denen du begegnest
- Staatsanleihen: Kredite an den Staat — in Deutschland zum Beispiel Bundesanleihen. Sehr sicher, niedriger Zins.
- Pfandbriefe: Anleihen von Banken, die mit Immobilienkrediten oder Krediten an den Staat besichert sind. Gelten als sehr sicher.
- Unternehmensanleihen: Kredite an ein Unternehmen. Höherer Zins, weil das Unternehmen pleitegehen kann. »High Yield« heißt hoher Zins — und hohes Risiko.
Die meisten Anfänger kaufen keine einzelnen Anleihen, sondern einen Anleihen-ETF, der Hunderte davon hält.
Steuer (Deutschland, 2026)
Zinsen und Kursgewinne aus Anleihen fallen in Deutschland unter die Abgeltungsteuer — genau wie Aktiengewinne, und der Sparer-Pauschbetrag gilt für beides zusammen. Ein Unterschied bei Fonds: Anleihen-ETFs bekommen keine Teilfreistellung — die gibt es nur für Aktien- und Mischfonds. In anderen Ländern gelten andere Regeln.
Der typische Anfängerfehler
Zu glauben, eine Anleihe könne nicht fallen. Sie kann — jedes Mal, wenn die Zinsen steigen. 2022 haben viele Anleihen-ETFs deshalb zweistellig verloren. Auf null fällt eine Anleihe aber nur, wenn der Herausgeber pleitegeht, und am Ende der Laufzeit bekommst du den vereinbarten Betrag.
So siehst du es in Kiggo
Kiggo ist für Aktien und ETFs gebaut. Rufst du einen Anleihen-ETF auf, zeigt Kiggo, dass es ein Anleihenfonds ist, und lässt die Kennzahlen weg, die nur bei Aktien Sinn ergeben. Im Glossar der App bekommt die Anleihe eine kleine Zeitleiste mit den Zinszahlungen und der Rückzahlung.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Sind Anleihen sicher?
Sicherer als Aktien, aber nicht ohne Risiko. Der Kurs fällt, wenn die Zinsen steigen, und ein Unternehmen kann pleitegehen. Bundesanleihen und Pfandbriefe gelten als sehr sicher.
Was ist ein Kupon?
Der feste Zins, den die Anleihe zahlt — zum Beispiel 3 % im Jahr auf den Nennwert, also den Betrag, der auf der Anleihe steht. Der Name stammt aus der Zeit, als man einen Schnipsel vom Papier abschnitt, um die Zinsen abzuholen.
Was heißt Kurs 100?
Anleihen werden in Prozent vom Nennwert gehandelt. Kurs 100 heißt: genau der Betrag, den du am Ende zurückbekommst. Unter 100 kaufst du mit Abschlag und bekommst unterm Strich eine höhere Rendite; über 100 zahlst du einen Aufschlag und bekommst eine niedrigere.
Kiggo erklärt — Kiggo berät nicht. Wir sagen dir nie, was du kaufen oder verkaufen sollst. Die Entscheidung ist deine. Zuletzt aktualisiert 2026-09-23.
Geschrieben von Claus Frisch, Gründer von Kiggo. Kein Berater, keine Bank — Kiggo erklärt, du entscheidest.