ETF-Steuer berechnen: Was bleibt vom Gewinn?
Verkaufst du einen ETF mit Gewinn, behält die Bank die Abgeltungsteuer ein — aber nicht auf den ganzen Gewinn. Schon gezahlte Vorabpauschalen werden abgezogen, bei einem Aktien-ETF bleiben 30 % steuerfrei, und dann wird der Sparer-Pauschbetrag abgezogen. Erst auf den Rest fallen 26,375 % an. Dieser Rechner macht die Rechnung in fünf Schritten für 2026.
Ein roter Punkt: die Steuer kommt erst an dem Tag, an dem du verkaufst.
Der Rechner
Ohne Ordergebühren und ohne Verluste aus anderen Verkäufen (Verlusttopf). Bei einem Verlust ist die Steuer null; der Verlust wandert in den Verlusttopf.
Das Beispiel aus dem Rechner
Du hast vor einigen Jahren für 10.000 € einen thesaurierenden Aktien-ETF gekauft und verkaufst ihn 2026 für 15.000 €. Dein Freistellungsauftrag ist noch unberührt. Vorabpauschalen aus den Vorjahren lassen wir im Beispiel weg.
| Schritt | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Gewinn | 15.000 − 10.000 | 5.000,00 € |
| Teilfreistellung 30 % | 5.000 × 70 % | 3.500,00 € |
| Sparer-Pauschbetrag | 3.500 − 1.000 | 2.500,00 € |
| Abgeltungsteuer | 2.500 × 26,375 % | 659,38 € |
| Auf dem Konto | 15.000 − 659,38 | 14.340,62 € |
Ohne Freibetrag wären es 923,13 € Steuer. Der Freistellungsauftrag ist also 263,75 € wert — jedes Jahr.
Warum die Reihenfolge zählt
Die Teilfreistellung kommt vor dem Sparer-Pauschbetrag. Das ist gut für dich: Der Freibetrag wird auf den schon verkleinerten Betrag angewendet, nicht auf den vollen Gewinn. Und die Vorabpauschalen, die du in den Vorjahren gezahlt hast, werden vom Gewinn abgezogen, bevor irgendetwas anderes passiert — sonst würdest du sie zweimal versteuern.
Verkaufst du nur einen Teil deiner Anteile, gilt FIFO: Die ältesten Anteile gelten als zuerst verkauft. Bei einem Sparplan, der seit Jahren läuft, sind das meist die mit dem größten Gewinn.
Und wenn ich mit Verlust verkaufe?
Dann ist die Steuer null, und der Verlust (nach Teilfreistellung — auch die wird bei Verlusten angewendet) landet im Verlusttopf deiner Bank. Er wird mit späteren Gewinnen verrechnet – auch in den folgenden Jahren, der Topf verfällt nicht. Aktienverluste (einzelne Aktien, nicht Fonds) haben einen eigenen Topf und können nur mit Aktiengewinnen verrechnet werden.
Der typische Anfängerfehler
Den Sparer-Pauschbetrag vergessen, weil kein Freistellungsauftrag bei der Bank liegt. Dann behält die Bank Steuer auf den vollen Betrag ein, und du holst sie erst ein Jahr später über die Steuererklärung (Anlage KAP) zurück — wenn du daran denkst.
So siehst du es in Kiggo
Kiggo zeigt dir unter jedem ETF, ob er als Aktienfonds gilt (und damit 30 % Teilfreistellung bekommt) und ob er ausschüttet oder thesauriert. Was deine Bank bei einem Verkauf einbehält, siehst du auf der Abrechnung — dieser Rechner erklärt dir, warum dort steht, was dort steht.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Wie viel Steuer zahle ich auf 10.000 € ETF-Gewinn?
Bei einem Aktien-ETF: 10.000 × 70 % = 7.000 € steuerpflichtig, minus 1.000 € Sparer-Pauschbetrag = 6.000 €, davon 26,375 % = 1.582,50 € (2026, ohne Kirchensteuer). Effektiv also 15,8 % des Gewinns.
Gilt die Teilfreistellung für jeden ETF?
Nein. 30 % gibt es nur für Fonds mit mehr als 50 % Aktien, 15 % für Mischfonds mit mindestens 25 % Aktien. Anleihen-ETFs, Geldmarkt-ETFs und Rohstoff-ETCs bekommen 0 %. Was gilt, steht in den Anlagebedingungen oder im Verkaufsprospekt des ETFs, oft auch im Factsheet.
Muss ich den Gewinn in der Steuererklärung angeben?
Bei einer deutschen Bank nicht — sie führt die Abgeltungsteuer direkt ab, damit ist alles erledigt. Bei einem ausländischen Broker (ohne deutschen Steuerabzug) musst du den Gewinn selbst in der Anlage KAP angeben.
Was ist mit ETF-Anteilen, die ich vor 2018 gekauft habe?
Alle Anteile, die du vor 2018 gekauft hast, gelten zum 31. Dezember 2017 als fiktiv verkauft und zum 1. Januar 2018 als neu angeschafft. Für Anteile aus der Zeit vor 2009 gibt es zusätzlich einen Freibetrag von 100.000 € auf Wertsteigerungen seit 2018. Das ist ein Fall für die Steuererklärung, nicht für diesen Rechner.
Kiggo erklärt — Kiggo berät nicht. Wir sagen dir nie, was du kaufen oder verkaufen sollst. Die Entscheidung ist deine. Zuletzt aktualisiert 2026-09-22.
Geschrieben von Claus Frisch, Gründer von Kiggo. Kein Berater, keine Bank — Kiggo erklärt, du entscheidest.